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Bu'chung und die Gesar-Sage: Geschichte einer tibetischen Tradierung
    Datum:2015-09-30 Quelle: CRI Autor:  

 

Bu'chung ist ein renommierter Gesar-Barde, ein professioneller Vortragender des tibetischen Epos über den legendären König Gesar. Der erste Eindruck dieses elegant gekleideten, zurückhaltenden jungen Mannes erinnert keineswegs an einen Berufssänger. Doch sobald Bu'chung zur Rezitation des Epos ansetzt, strahlt er das tiefe Selbstvertrauen eines Solisten aus.

Bu'chung erklärt:

"Soeben habe ich die erste Episode des Epos vorgetragen. Diese erzählt die Geschichte des 13-jährigen jungen Gesar, des zukünftigen Königs. Er wird von einem benachbarten Stamm aus seiner Heimat vertrieben und nimmt später an einem Pferderennen teil, dessen Sieger zum König ernannt werden soll. Er gewinnt den Wettkampf und besteigt daraufhin den Thron."

Der Überlieferung zufolge wurde Gesar im 11. Jahrhundert geboren. Mit übermenschlichen Kräften befreite er sein Volk von bösen Dämonen. Aus Dankbarkeit für die Befreiung von Not und Qualen verehrte man ihn als Heros – Diese Geschichte wird in über einer Million Versen erzählt und wurde von Generation zu Generation mündlich tradiert. Als „lebendes Fossil der tibetischen Kultur" erklärte die UNESCO das Epos im Jahr 2009 zum immateriellen Kulturerbe.

Bu'chung beschloss nach einem Traum, den Beruf des Gesar-Barden anzunehmen.

"Im Alter von elf Jahren träumte ich eines Abends von zwei Mönchen, die mir die Gesar-Sutren übergeben wollten. Ein Hund rannte im Traum an mir vorbei und ich verlor meine Kräfte. Nachdem ich aufgewacht war, suchte mich tatsächlich ein ganz in Purpur gekleideter Mann zu Pferde auf und befahl mir, die Geschichte von Gesar weiter zu tradieren."

Im Alter von 17 Jahren beherrschte Bu'chung schließlich das gesamte Gesar-Epos und begann mit der professionellen Rezitation auf der Bühne. Seither sind elf Jahre vergangen. Regelmäßig kommen Zuhörer bei ihm vorbei, bestellen eine Kanne Tee und lauschen der Aufführung. Vergleichbar zu Minnesängern im europäischen Mittelalter verbreitete Bu'chung seine Rezitation in der gesamten tibetischen Region Nagqu.

"Die Rezitation der Epen ist im tibetischen Volk sehr beliebt. Deshalb reise ich durch Tibet und trete an verschiedenen Orten auf. Zuletzt war ich in den Kreisen Sog und Nyima. Als nächste Station ist Shantsa geplant. Überall sind meine Aufführungen willkommen. Schließlich sind die Tibeter mit den Geschichten Gesars aufgewachsen."

In die Legende des Königs Gesar sind tibetische Gedichte, Mythen, Fabeln und historische Ereignisse eingeflossen. Sie ist tief in Religion und im Alltagsleben der lokalen Gemeinschaften verwurzelt. So ist das Epos nicht nur ein Gedicht, sondern vielmehr eine "Enzyklopädie der tibetischen Kultur".

Doch ist dieses tibetische Kunstwerk in seiner Existenz stark bedroht: Da es sich traditionell ausschließlich auf die mündliche Weitergabe stützt und die früheren Generationen der Gesar-Barden altersbedingt schwinden, droht eines der großartigsten Kunstschätze der Welt verloren zu gehen. Die tibetische Regierung erkannte diese Gefahr und leitete in den 1980er Jahren eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz des Gesar-Epos ein. Diese umfassen Niederschriften und Videodokumentationen.

Bu'chung ist sich der Bedeutung seiner beruflichen Tätigkeit deutlich bewusst und sieht sich als Vermittler des immateriellen Kulturerbes:

"Im vergangenen Jahr ernannte mich die tibetische Regierung offiziell zum Nachfolger der Gesar-Barden. Mit der Rezitation des Gesar-Epos als Hauptaufgabe plane ich, künftig eigene Bücher und Musikalben zu veröffentlichen. Auch das Reisen in andere Gebiete ist eine Option, die ich weiterhin erwäge. Ich bin voller Zuversicht."

Bei jedem Wetter steht Bu'chung in tibetischer Volkstracht im Freien und singt von seinem Lieblingshelden Gesar. Die Befürchtung, das Interesse an dem Volksepos könne abnehmen, teilt er nicht. In ganz Tibet sei er sich einer großen Zuhörerschaft sicher.

Im Jahr 2014 nahm die Region Nagqu das Gesar-Epos als festen Bestandteil in ihren Kulturkatalog auf. Während des jährlich stattfindenden Pferderennens wird nun auch das Epos als eines der Höhepunkte aufgeführt. Dank treuer Kulturbotschafter wie Bu'chung ist die faszinierende Legende des Königs Gesar in Tibet allgegenwärtig.

 
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